Radikale? Der Andy spinnt doch...
Nein, keine Spinnerei. Der Staat fördert gewisse Parteien
indem er sie mit Verfassungsschützern spickt, die die Leitung
in ihre Hände nehmen. Klingt komisch, ist aber so.
Auf der anderen Seite werden Menschen, die ihr Recht auf Demonstration
wahrnehmen, nicht gerade freundlich behandelt. So macht in der Luft
umherwehendes Tränengas beispielsweise keinen Unterschied
zwischen Steinewerfern und friedlichen Demonstranten. Ebenso nehmen
heranpirschende, vollgepanzerte, mit einem Schlagstock ausgestattete
Polizisten, die sich Straßenzüge
zurückerobern möchten, im Eifer des Gefechtes zu
wenig Rücksicht auf den pflichtbewußten Querdenker,
der vielleicht keine Steine wirft...
Jetzt übertreibt der Andy wieder.
Woher will er das denn bitte wissen?
Demonstrationen bergen eine große Gefahr: mischen sich
Autonome darunter, ist Sachbeschädigung und Gewalt
vorprogrammiert. Auf der anderen Seite kann auch das Verhalten von
Gesetzeshütern provozierend wirken. Wer wirft den ersten
Stein? Wer sprüht als Erster Tränengas? Diese Fragen
werden schnell nicht mehr wichtig. Was nun passiert ist folgendes: die
Cops sehen in jedem Demoteilnehmer einen potentiellen zur Gewalt
neigenden Terroristen, die Demoteilnehmer sehen in jedem Cop einen
bewaffneten Tränengas-Spender, welcher im Einsatz auf
Steine-Werfer schon mal die Falschen tonfadiert... (Tonfa = Schlagstock
der Polizei)
Aber wo wird denn jetzt der "Radikale"
gefördert?
Gesetzten Fall, es nimmt ein friedlicher Greenpeace-Aktivist (soll es
ja geben, irgendwo) an einer Anti-G8-Demo teil, wird dieser dort (wie
jeder andere Teilnehmer auch) mit Tränengas beschossen, obwohl
er keiner Fliege etwas zu leide getan hat. Dazu muss er neben Steine
werfenden Autonomen auch noch prügelnden Polizisten
ausweichen, da sammelt sich schon etwas Wut im Bauch. Wenn dann noch
völlig aufgelöste Schülerinnen weinend am
Straßenrand die Welt nicht mehr verstehen, weil sie von
jenen, von welchen sie sich Schutz erhofften, mit einem Stock
verprügelt wurden, so ist der Weg zum Steinewerfer
vorprogrammiert. Und genau hier wird die Saat für eventuelle
Staatsfeinde gepflanzt.
Viele politisch interessierte Schüler nahmen an der
Anti-G8-Demo in Rostock 2007 teil. Dort haben sie Erfahrungen gemacht,
die keine Deeskallationsmethode erklärt, wie sie in Berlin
gelehrt wird. Dort sah man viele desillusionierte Gesichter. Es gab die
zusammengekauerten Erst-Demo-Teilnehmer, die den Kontakt zu
Tränengas noch nicht kannten. Es gab Teilnehmer, die bis dahin
immer den Freund und Helfer in der Polizei gesehen haben. So mancher
hat jetzt wieder Angst vorm schwarzen Mann (auch wenn die Uniformen
nicht immer schwarz waren). Immerhin hat er eine Keule und trommelt
mitunter wild drauf los...
Doch es gibt auch gute Polizisten. Man darf keinesfalls Alle in einen
Topf werfen. Viele Poizisten arbeiten hart und werden dafür
von ihren Vorgesetzten belohnt. Wer jetzt noch immer an das Gute im
System glaubt, sollte sich den folgenden Filmclip genau anschauen:
Gute Arbeit wird stets belohnt und die Polizei ist bis nach ganz oben
ein neutrales Staatsorgan.
Amen!
Wieso drängt sich mir nur der Verdacht auf, als ob man alles
dafür tut, dass sich neue radikale Gruppierungen bilden, die
selbst für ihre Form von Recht und Ordnung kämpfen?
(06/2008)