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Freie soziale Marktwirtschaft

Schlägt man im schlauen Buch nach, welche Staatsform wir hier in Deutschland haben, so wird einem erzählt, dass es sich um "Demokratie" handelt. Demokratie bedeutet: vom Volk für das Volk! Eine wirklich gute Sache. Dass das Volk bei Entscheidungsfindungen egal welcher Art nie eingebunden wird, zeigt jedoch die Schattenseite. Lediglich alle vier Jahre können wir per Wahl entscheiden, welche Partei ihre Wahlversprechen brechen darf.

Denn obwohl Lügen eigentlich nicht okay ist, so dürfen die Politiker besonders vor der Wahl versprechen, was sie wollen. Keiner wird sie nach der Wahl dafür zur Rechenschaft ziehen. Denn nach der Wahl wird die Realität neu entdeckt. Plötzlich findet der Politiker eine ganz andere Situation vor, auf welche er natürlich auch ganz anders, als vor der Wahl versprochen wurde, reagieren muss. Und weil die Wähler diese Missgeschicke nach vier Jahren wieder vergessen haben, wird den Wahlversprechen alle Jahre wieder erneut Glauben geschenkt.

Aber eigentlich wollte ich nicht eine Abhandlung über den ortsüblichen Wahlkampf schreiben. Vielmehr wollte ich auf die "Freie und soziale Marktwirtschaft" eingehen, welche wir hier eigentlich haben.

Freie Marktwirtschaft bedeutet, dass der Markt sich selbst reguliert. Steigt die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln, so wird das Angebot entsprechen erweitert. Im Gegenzug bedeutet dies aber auch, dass wenn eine Firma beispielsweise Milch herstellt, die Nachfrage nach Milch jedoch sinkt, der Preis gesenkt werden muss. Die einzige staatliche Einmischung war seither so, dass die Küchenchefs der Bundeswehr gekommen wären und die Milch günstig eingekauft hätten, wodurch es in der BW-Kantine plötzlich ganz viel Milchreis etc gegeben hätte.

Soziale Marktwirtschaft bedeutet, dass ein System ins Leben gerufen wird, in welchem kein Mensch in die Illegalität getrieben wird. Sprich: Du hast keine Arbeit und keine Aktien, so hilft Dir der Staat, damit Du keine Omas überfallen musst, oder gar eine Bank ausrauben musst.
NEIN: soziale Marktwirtschaft bedeutet nur, dass der Staat versucht regulierend einzugreifen, damit es keine Monopolbildung gibt. Wettbewerb soll also gefördert werden!

Wir haben in Deutschland eine Situation, wo jeder Betrieb, jeder Bürger und ganz besonders jede Bank beliebig mit Aktien zocken können. Dabei interessiert es die Aktionäre nicht, welche Wirkung man als Aktionär erzielt. Jeder Aktionär erteilt mit dem Besitz seiner Aktie den Managern den Auftrag, für eine Wertsteigerung der Aktie zu sorgen. Hört sich gut an, bringt aber den AG-Vorstand all zu oft dazu, möglichst viele Arbeiter durch günstigere Arbeiter aus dem Ausland meist im Ausland zu ersetzen. Outsourcing ist ein Wort, welches hier genannt werden muss.

Weil der Staat gleichzeitig auch immer darum bemüht ist, dass es möglichst wenig Arbeitslose gibt, beginnt hier ein Feld, welches den Begriff "Vetterleswirtschaft" wirklich verdient. Bevor Unternehmen abwandern oder Arbeitsplätze abbauen, können sie vor dem Staat die Hand aufhalten. Mache Firmen sollen doch tatsächlich zur Schaffung von Arbeitsplätzen staatliche Gelder locker gemacht haben, und hernach hat sich herausgestellt, dass die Arbeitsplätze im fernen Ausland geschaffen worden sind. Think Global!

Wer einmal versucht zu helfen, wird eben nach allen Regeln der Kunst verarscht.
Hier könnte ich noch die Geschichte von einem hilfsbereiten Bauern erzählen, der an einem kalten Tag eine Schlange findet, die schon halb steiff vor Kälte ist. Der hilfsbereite Bauer nimmt die Schlange mit zu sich nach hause, weil er sie vor dem Erfrierungstod retten möchte. In der warmen Wohnung kommen die Lebensgeister in die Schlange zurück. Und weil das Viech den Bauern anzischt und bedroht, greift dieser zu seinem Spaten und zerteilt das Viech in mehrere Teile.

Das Gegenteil von GUT ist eben GUT GEMEINT!

So wundert es mich nicht, dass vehement in die hochgelobte "Freie Marktwirtschaft" eingegriffen wird, anstatt eine "Freie Marktwirtschaft" sich selbst zu überlassen. Jegliche Subvention ist gleichzeitig auch immer eine Benachteiligung all jener, die keine Subvention benötigen. Deswegen gehören Subventionen jeglicher Art in einer Freien Marktwirtschaft verboten. Besonders die Unterstützung der Banken schreit zum Himmel. Wer viel riskiert, kann eben auch viel verlieren.

Die Strafe hierfür würde in einer freien Marktwirtschaft zu einigen Bankenpleiten führen. Doch würde es bei einer Bankenpleite ja nicht automatisch weniger Arbeitsplätze geben. Es würde lediglich einige Banken weniger geben. Andere Banken würden deren Kunden gerne übernehmen. Und die Banker, die kurzfristig arbeitslos geworden wären, hätten bei anderen Banken auf eine Arbeitsstelle hoffen können: wo mehr Kunden, da auch mehr Arbeit/Kundenberater. Allein die wahnsinnigen Superzocker der Pleite-Banken wären womöglich leer ausgegangen.

Doch weil wir in einer Vetterleswirtschaft leben, helfen die Politiker den Bankern und die Banker den Politikern - und der Steuerzahler zahlt brav und hilft somit beiden. Was sich ein bisschen nach Korruption anhört, ist lediglich die "Freie und Soziale Marktwirtschaft" wie wir sie umsetzen...

Wenn ein Kind sein Taschengeld verliert, so ist das tragisch. Das Kind rennt zu den Eltern und erzählt, wie schlimm das doch alles ist, in der Hoffnung, dass die Eltern dem Kind erneut das Taschengeld auszahlen. Gute Eltern sagen ihrem Kind "Du musst besser auf Dein Geld aufpassen!" und geben ihm nicht erneut sein Taschengeld. Damit wird das Kind dazu gezwungen, auf sein Geld besser aufzupassen. Lernen kann so einfach sein.

Liegt es an der lobbyistenverseuchten Politiklandschaft, dass "Freie Marktwirtschaft" und die gesetzlich verankerte "Gleichberechtigung/Antidiskriminierung" dermaßen hintergangen werden?

Wenn den Banken die Pokerchips ausgehen, so könnte der Staat auch einfach sagen "You Play - You Die!". Die meisten Banken sind längst keine Steuerzahler in Deutschland mehr. Dadurch wäre der Steuerausfall für die Bundesrepublik im Falle einer Pleite nicht so hoch. Nahezu alle größeren Banken sind auf irgendwelchen fernen Cayman-Inseln heimisch. Von daher rauben sie in Deutschland neben der vom Staat sichergestellten Staatsordnung auch noch die ganzen Bürgschafts-Geschenke. "what a beautyful world this could be..."
(01/2009)

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© Andy-Bayer

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