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Entfernungen

Die Entfernung ist bei vielen Dingen sehr wichtig. So haben die Bewohner der USA beispielsweise vor Kriegen keine Angst, da sie ja meist sehr weit weg sind. Ebenso ist die große Entfernung von Vorteil, wenn es zu einem Unfall kommt. Die Entfernung des eigenen Chefs in einer Firma wird mitunter auch sehr groß. Um so größer wird diese Distanz, wenn es sich um eine AG handelt. Denn dort sind die Aktionäre die Firmen-Mitbestimmer bzw. Firmenchefs. Diese sind in der Regel nur auf Gewinnmaximierung aus, was in großem Konflikt zu den Interessen der Angestellten steht.

Das führt dann dazu, dass der Chef oft keine Ahnung davon hat, was der Azubi in seiner Ausbildung so lernt. Ebenso sind diesen Herrschaften die alltäglichen Probleme der Angestelten fremd. Und wieso sollte sich auch ein Chef für die Probleme seiner Angestellten interessieren? Gibt es doch einen ergiebigen Markt, was willige Arbeitskräfte angeht.

Deswegen müssten bei Unzufriedenheiten in einem Betrieb alle zusammen halten, damit in einem gemeinsamen Streik das Problem dem Aktionärsvorstand um die Ohren geknallt werden kann. Dies ist im Streik der Lokführer der Fall.

So hat der Aktionär sich über Jahre hinweg nicht dafür interessiert, wie der Lokomotivführer bei gleichbleibendem Lohn seinen Lebensunterhalt bestreitet - gingen diese doch immer leise und pflichtbewusst zur Arbeit. Die einzigste Sorge des Aktionärs ist ja nunmal die Wertsteigerung der Aktie bzw. die ersehnte Gewinnausschüttung.

Doch vergisst man schnell, wer die Firma eigentlich am Laufen hält. Dafür gibt es diese Wesen, die für fast keinen Lohn Züge durch Deutschland bewegen. Damit dies auch in Zukunft so sein wird müssen die Löhne erhöht werden - und zwar mächtig. 30 Prozent mehr Lohn.

Dies hört sich nach mächtig viel Kohle an. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass die letzten Jahre der Lohn nicht angehoben wurde und dies in naher Zukunft auch nicht wieder geschehen wird, so sind diese 30 Prozent nicht viel. Denn verteilt auf die letzten zehn Jahre und meinetwegen die kommenden fünf handelt es sich um eine jährliche Lohnsteigerung von läppischen 2 Prozent.

Die Inflationsrate wäre damit also glattgebügelt - reich wird davon aber trotzdem kein Lokführer. Und bevor sich jetzt alle über die hartnäckigen Streiks der Lokführer aufregen, so geht es um deren Überleben. Sie wollen gern weiter ihrer Arbeit nachgehen, dabei jedoch nicht in die Privatinsolvenz gedrängt werden.

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(15. November 2007)

© Andy Bayer